BERLIN (dpa-AFX) – FDP-Chef Christian Lindner hat die Finanzpolitik des scheidenden Ministers Wolfgang Schäuble (CDU) deutlich kritisiert. In einem Interview pochte Lindner zugleich nicht ausdrücklich auf eine Übernahme des wichtigen Finanzressorts durch die Liberalen. "Uns ist eine andere Finanzpolitik wichtiger als ein neuer Minister", sagte Lindner dem "Handelsblatt" vom Freitag.

Er habe "großen Respekt vor der Lebensleistung" Schäubles, sagte Lindner, fügte aber hinzu: "Mich hat jedenfalls nicht beeindruckt, was in den vergangenen vier Jahren finanzpolitisch passiert ist." Schäuble tritt nach acht Jahren als Finanzminister ab und soll am 24. Oktober zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt werden. Während der Koalition von Union und FDP zwischen 2009 und 2013 waren die Liberalen und Schäuble mehrfach aneinandergeraten.

Nach den Worten Lindners hat Schäuble sich in vielen Europafragen nicht gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzt. Es habe zudem "keinerlei Entlastung der Bürger" in den vergangenen vier Jahren gegeben. Auch gebe es keine steuerliche Forschungsförderung. Einfacher sei das Steuersystem ohnehin nicht geworden. Die 2014 erstmals erreichte "Schwarze Null" – ein ausgeglichener Haushalt ohne neue Schulden – sei von der schwarz-gelben Vorgängerregierung "erarbeitet worden", sagte Lindner: "Also bei allem Respekt vor Herrn Schäuble als Person, das waren keine bombastischen vier Jahre."/sl/DP/men