BERLIN (dpa-AFX) – Die iranische Führung wird nach Auffassung des Nahost-Experten Guido Steinberg trotz der US-Sanktionen dem Druck von außen und innen noch sehr lange standhalten. Die mögliche Strategie der USA, das Regime in Teheran zu erschüttern, werde deswegen nicht aufgehen, sagte Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik am Dienstag im rbb-Inforadio.

Seit den größeren Protesten im Januar 2018 gebe es zwar immer wieder Demonstrationen im Land. "Aber die Iraner haben immer wieder klar gemacht, dass sie nicht bereit sind, tatsächlich grundlegende Änderungen zuzulassen."

Allerdings sei die iranische Führung gespalten, so Steinberg. Es gebe einerseits Leute, die für einen eher harten Kurs stünden. Andererseits hätten Menschen wie Staatspräsident Hassan Ruhani ihre Wahlen gewonnen, weil sie auf Wirtschaftsreformen und eine Aufhebung der Sanktionen setzten. "Deren ursprüngliche Strategie ist aus meiner Sicht vollkommen zerstört worden durch die Amerikaner", sagte der Nahost-Experte.

"Die Situation im Land ist katastrophal", erklärte Steinberg – und nannte als Beispiele die Arbeitslosigkeit und die Abwertung der Landeswährung. Wie die iranische Führung eine wirtschaftliche Lösung auf diese Probleme finden will, sei kaum vorstellbar.

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ist am Dienstagmorgen die erste Runde von US-Sanktionen wieder in Kraft getreten. Die Maßnahmen waren im Zuge des Atomabkommens ausgesetzt worden. Die 2015 erzielte Vereinbarung soll den Iran daran hindern, eine Atombombe zu bauen./laj/DP/tos