BERLIN (dpa-AFX) – Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat die strengen Anti-Coronamaßnahmen am Beginn der Pandemie verteidigt. "Zunächst war es richtig, mit dem Lockdown der Weiterverbreitung der Infektion entschlossen entgegenzutreten", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Ohne diese Maßnahmen hätte sich Corona ausbreiten und unser Gesundheitssystem überfordern können, das war trotz der guten Ausstattung mit Krankenhaus- und Intensivbetten eine reelle Gefahr." Nun sei es allerdings ebenfalls richtig, eine allmähliche Lockerung vorzunehmen. Man müsse die Folgen der Öffnung genau beobachten und genügend Tests durchführen, um einen Anstieg der Infektionen frühzeitig zu entdecken, und dann bereit sein, einen erneuten Lockdown vorzunehmen.

Schmidt, die auch Vorsitzende des Vereins "Lebenshilfe" ist, der sich für die Belange von Menschen mit geistiger Behinderung einsetzt, forderte in der Krise mehr staatliche Unterstützung für Betroffene, Betreuer, Familien und Einrichtungen. Hier gebe es noch Lücken, sagte sie. "So erhalten Eltern, die jetzt ihre erwachsenen Söhne und Töchter den ganzen Tag zuhause betreuen müssen, weil die Werkstatt geschlossen ist, keinen Ersatz für ihren Verdienstausfall, anders als dies für Schulkinder geregelt ist." Zudem hätten Mitarbeiter in Wohngruppen genau wie Pflegekräfte in Kliniken und Pflegeheimen eine finanzielle Anerkennung verdient./jr/DP/zb