MÜNCHEN (dpa-AFX) – Die zähen Brexit-Verhandlungen zwischen Brüssel und London schwächen nach Ansicht von EU-Kommissar Günther Oettinger die Europäische Union. "Bei jeder Verhandlungsrunde zum Brexit lachen sich etwa die Chinesen und Amerikaner ins Fäustchen", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion in München. Er spielte damit auf die personellen und wirtschaftlichen Ressourcen an, die während der Verhandlungen nicht zur Klärung anderer Fragen oder Probleme zur Verfügung stünden.

Die Verhandlungen müssten bis spätestens zum Sommer 2018 abgeschlossen sein, betonte Oettinger. Für die EU sei es nicht akzeptabel, wenn sich die britische Regierung dabei nur die Vorteile aus einer Mitgliedschaft – ohne die Pflichten – "wie Rosinen herauspicke". Über mögliche Austrittsbestrebungen anderer EU-Länder mache er sich keine Sorgen. "Ich glaube nicht, dass irgendwer noch den Weg der Briten geht", sagte Oettinger. Letztlich sei Großbritannien durch den Austritt aus der Europäischen Union auf dem besten Wege zu einem "Little England".

Am Dienstag hatten sowohl die EU-Kommission als auch das EU-Parlament erklärt, dass es bei den Gesprächen mit der britischen Regierung noch "keinen ausreichenden Fortschritt" gebe. Deshalb müsse die zweite Phase der Brexit-Verhandlungen aufgeschoben werden. Eine Verhandlungsrunde ab dem 9. Oktober steht noch aus, bevor der EU-Gipfel Ende des Monats den Fortschritt offiziell bewerten will./had/DP/men