NIKOSIA/ATHEN/ANKARA (dpa-AFX) – Die zur EU gehörende Republik Zypern wird gegen die Besatzung eines türkischen Bohrschiffes internationale Haftbefehle erlassen. Die Techniker an Bord des Schiffes nehmen seit Freitag innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone Zyperns (AWZ) rund 60 Kilometer westlich der Insel Probebohrungen nach Erdgas vor – ohne Genehmigung der Regierung in Nikosia.

Über die Haftbefehle informierte am Montag der zyprische Staatssekretär Vassilis Palmas im zyprischen Radiosender Active. In ihrer AWZ hat Zypern das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Ressourcen.

"Diejenigen, die an den illegalen Handlungen beteiligt sind, können festgenommen werden", warnte Palmas. Zypern werde das Thema illegaler türkischer Bohrungen auch beim EU-Gipfel am 9. Mai in Bukarest auf die Tagesordnung bringen, hieß es vom zyprischen Außenministerium.

Am Sonntag hatte bereits das US-Außenministerium die türkischen Aktivitäten kritisiert. Die Vereinigten Staaten seien tief besorgt über die Absicht der Türkei, Bohrungen in Gewässern vorzunehmen, die Zypern für sich beanspruche, hieß es aus Washington.

Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte am Wochenende an die Türkei appelliert, man möge sich zurückhalten. Das türkische Außenministerium reagierte umgehend: Man werde die eigenen Interessen und Rechte wahren, hieß es in einer Stellungnahme. Die Türkei habe die längste Küste in der Region. Wer bisher keine Schritte unternommen habe, die Probleme mit Zypern zu lösen, habe auch kein Recht, Ratschläge zu erteilen.

Die Republik Zypern ist EU-Mitglied, der Norden von Zypern ist aber von türkischen Truppen besetzt. In den vergangenen Jahren hatten Erdgaskonzerne im Auftrag der Republik Zypern westlich der Insel reiche Erdgasvorkommen entdeckt. Die Suche geht südlich vor Zypern weiter. Ankara lehnt die Aktivitäten, die ohne die Zustimmung der türkischen Zyprer vorgenommen werden, ab – vor allem, solange der Konflikt um die geteilte Insel nicht gelöst ist./tt/DP/mis