FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Bundesbank warnt vor Sorglosigkeit angesichts der boomenden Konjunktur. Es bestehe die Gefahr, dass Risiken für die Finanzstabilität unterschätzt würden, schreibt die Notenbank in ihrem "Finanzstabilitätsberichts 2017", der am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.

Weil der Aufschwung schon seit Jahren andauere und die Zinsen anhaltend niedrig sind, könnten Marktteilnehmer zunehmend davon ausgehen, dass sich die positive Entwicklung nahtlos in die Zukunft fortschreiben lasse. "In diesem vorteilhaften Umfeld sind die Marktteilnehmer anfällig gegenüber unerwarteten Entwicklungen", erklärte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch.

Zudem treibt die Bundesbank-Experten die Sorge um, dass die Widerstandsfähigkeit etwa von Banken gegen mögliche Schocks überschätzt werden könnte – auch wenn die Institute seit der letzten Finanzkrise 2007/2008 deutlich dickere Kapitalpolster haben. Die Risikovorsorge etwa für mögliche Kreditausfälle sei derzeit auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gerade kleinere und mittlere Institute könnten nach Einschätzung der Bundesbank Probleme bekommen, sollte sich das derzeit extrem niedrige Zinsniveau zu rasch ändern.

Am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank trotz teils kräftig gestiegener Preise noch keine gefährlichen Übertreibungen. Es gebe nach wie vor keine Anzeichen für eine kreditgetriebene Preisblase bei Häusern und Wohnungen – auch wenn die Preise insbesondere in Städten teils 15 bis 30 Prozent über einem angemessenen Niveau lägen./ben/DP/jkr