LONDON (dpa-AFX) – Der britische Brexit-Minister Stephen Barclay kann sich einen langen Aufschub des EU-Austritts nicht vorstellen. "Ich möchte keine Verzögerung bis zu einem Jahr sehen", sagte der Minister am Mittwoch dem britischen Sender BBC. Positiv hob Barclay aber Brüssels Vorschlag hervor, eine Verlängerung flexibel zu gestalten.

Die britische Premierministerin Theresa May wollte an diesem Mittwochabend bei dem EU-Sondergipfel (18.00 Uhr) in Brüssel für eine Verlängerung der Austrittsfrist bis zum 30. Juni werben.

EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte hingegen eine Verzögerung um bis zu zwölf Monate vorgeschlagen – mit der Option, die Staatengemeinschaft früher zu verlassen, wenn eine Einigung auf einen Brexit-Deal gelingt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind die meisten EU-Staaten dafür, den Briten auf dem Sondergipfel einen Aufschub bis zum 31. Dezember oder bis März 2020 anzubieten. Frankreich hat jedoch bereits Vorbehalte geäußert.

Ursprünglich war der Austritt aus der Staatengemeinschaft bereits für den 29. März geplant. Doch das Unterhaus in London ist so zerstritten im Brexit-Kurs, dass der Termin nicht zu halten war. Drei Mal schmetterten die Parlamentarier den zwischen May und der EU ausgehandelten Deal ab. Neuer Brexit-Termin ist der 12. April.

Die Regierung versucht nun in Gesprächen mit der oppositionellen Labour-Partei einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Das nächste Treffen ist am Donnerstag geplant. Parteichef Jeremy Corbyn, der in Neuwahlen seine Chance wittert, setzt sich für eine Beibehaltung der Zollunion ein. "Ich denke, eine dauerhafte Zollunion ist keine gute Option für die Zukunft", sagte hingegen Brexit-Minister Barclay./si/DP/jha