BERLIN (dpa-AFX) – Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist aus Sicht der Bundesregierung nach langem Streit über einen ausgewogenen Spar- und Reformkurs auf deutschen Kurs eingeschwenkt. Angesichts der auch europaweit besseren Konjunkturzahlen setze inzwischen auch der IWF stärker auf Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen, hieß es am Montag in Berlin im Finanzministerium. Die Stärkung der Widerstandskraft von Volkswirtschaften über ein größeres Finanzpolster stoße auf ein "sehr breites Echo".

Für Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der in dieser Woche ein letztes Mal zu einem Treffen mit seinen Kollegen der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer sowie zur IWF-Tagung nach Washington reist, kommt diese Kehrtwende gerade richtig. Schäuble soll am 24. Oktober zum neuen Bundestags-Präsidenten gewählt werden. Deutschland hatte fast ein Jahr lang den Vorsitz der G20-Gruppe und übergibt die Präsidentschaft an Argentinien.

In den vergangenen acht Jahren als Finanzminister pochte Schäuble darauf, dass hoch verschuldete Länder in guten Zeiten ihre Staatshaushalte in Ordnung bringen und so Vertrauen zurückgewinnen müssten. Im Aufschwung müsse ein Puffer geschaffen werden, um widerstandsfähiger gegen neue Krisen zu werden. Der IWF fürchtete dagegen, dass Sparsamkeit der wirtschaftlichen Erholung schade und Wachstum mit Konjunkturspritzen auf Pump angekurbelt werden müsse.

Vor der Jahrestagung in Washington legt der IWF seine neue Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft vor. Es wird damit gerechnet, dass der Fonds die Wachstumsprognosen nach oben korrigiert. Nach Angaben des "Handelsblatts" (Montag) wird der IWF in seiner neuen Konjunkturprognose Staaten wie Italien und Spanien auffordern, mehr für die Haushaltskonsolidierung zu tun./sl/DP/jha