FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Schweizer Privatbank Julius Bär erwartet für das nächste Jahr eine ungebremst heitere Stimmung am deutschen Aktienmarkt. "2018 wird der Dax die 14 000-Punkte-Marke knacken", sagte Chefstratege Christian Gattiker-Ericsson am Mittwoch bei einer Medienveranstaltung zum Kapitalmarktausblick. Gemessen am derzeitigen Stand wäre das ein Plus von rund 6,3 Prozent.

Begründet wird der positive Ausblick unter anderem mit einem soliden konjunkturellen Aufschwung und einem steigenden Risikoappetit. In Deutschland werde der Aufschwung aber auch durch eine robuste Kauflaune der Verbraucher gestützt. "Wir haben einen überraschend starken Konsum in Deutschland", sagte David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland bei Julius Bär. Daneben werde die hiesige Wirtschaft auch von einem starken Immobilienmarkt gestützt. Nachholbedarf bestehe hingegen bei den Investitionen, die sich in den Jahren nach der Finanzkrise vergleichsweise schwach entwickelt hätten.

Noch sei ein Einstieg in den Aktienmarkt nach Einschätzung von Gattiker-Ericsson nicht zu teuer. Klar, billig sei diese Anlageform zwar auch nicht mehr. Allerdings würden die derzeitigen Bewertungen die allgemeine globale Wirtschaftsleistung durchaus widerspiegeln. "Im Moment gibt es daher noch keinen Grund, um große Bedenken zu haben", bekräftigte der Stratege.

Hatte man in dem Schweizer Bankhaus zuletzt gern bei zyklischen Werten zugegriffen, bevorzugen die Experten nunmehr verstärkt Tech-Aktien. "Wir haben einen Technologieboom, der ungebrochen weitergehen wird", sagte Gattiker-Ericsson. Auch im Bereich der Biotechnologie sei man nach wie vor gut beraten, genauso wie bei Pharma- und Finanzwerten. Generell tendiert der Experte eher zu kleineren Werten aus dem MDax für mittelgroße Unternehmen. Diese zeichneten sich durch eine günstige relative Bewertung und bessere Wachstumsperspektiven aus.

Die Finger würde Gattiker-Ericsson momentan ganz klar von großen, globalen Autoherstellern lassen. Weil diese Teile ihre Produktion in den vergangenen Jahren immer weiter ausgelagert haben, dürften sie sich trotz der moderaten Bewertung langfristig schwächer entwickeln als der Gesamtmarkt. Anders sehe es hingegen bei den Zulieferern der Automobilindustrie aus, die momentan hohe Zuwächse verzeichneten. Hier geht Gattiker-Ericsson von massiven Investitionen vonseiten der Autobauer in Forschungs- und Entwicklungsarbeiten aus, die sich in den Ergebnissen niederschlagen dürften./kro/jkr/nas