NEW YORK (dpa-AFX) – Die Kette immer neuer Börsenrekorde in den USA ist auch am letzten Handelstag der Woche nicht abgerissen. Die Aussicht auf niedrige Zinsen trieb Anleger am Freitag erneut in Aktien. Sowohl der Dow Jones Industrial als auch der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq 100 erreichten Höchstkurse. Auf Wochensicht zeichnet sich für den Dow ein Plus von gut einem Prozent ab.

Börsianer führten auch die Gewinne vor dem Wochenende auf die jüngsten Aussagen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell vor Parlamentariern zurück. "Aus Investorensicht hat er den Auftritt mit Bravour bestanden", sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Mit seiner Einschätzung der Konjunktur und Inflation sowie zu den Markterwartungen habe Powell den Anlegern "genau das gegeben, was sie haben wollten".

Der Dow rückte zuletzt um 0,54 Prozent auf 27 234,26 Punkte vor. Der S&P 500 kletterte um 0,23 Prozent auf 3006,79 Punkte und ließ damit wieder die 3000er Marke hinter sich. Der Nasdaq 100 stieg um 0,40 Prozent auf 7928,66 Zähler.

Die Rekorde müssen noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten: "Für einen Bärenmarkt nach einem neuen Allzeithoch brauchte es in den letzten fünfzig Jahren entweder eine Rezession innerhalb des nächsten Jahres oder eine deutliche Überbewertung von Aktien gegenüber Anleihen", sagte Anlagestratege Maximilian Kunkel von der Bank UBS. Die realen Zinsen und die Verfassung des US-Verbrauchers deuteten aber nicht auf eine baldige Rezession hin. Und Aktien seien im Vergleich zu Anleihen weiterhin günstig bewertet.

Auffällig waren die erneuten Kursverluste im Pharmasektor. Papiere von Branchengrößen wie Merck & Co , Pfizer , Abbott Laboratories und Eli Lilly büßten zwischen 2 und 2,5 Prozent ein. Die Branche hatte schon am Vortag unter Verkaufsdruck gelitten. Experten zufolge könnte sich in den USA der politische Streit um die Medikamentenpreise im zweiten Halbjahr verschärfen, nachdem das Weiße Haus am Vortag einen Plan zur Abschaffung von Preisnachlässen für Medikamente fallen gelassen hatte. Nun könnte der Kongress auf niedrigere Barrieren für den Markteintritt generischer Produkte drängen, sagten Beobachter. Diese würden den etablierten, profitablen Medikamenten großer Pharmakonzerne Konkurrenz machen.

Aktien von Johnson & Johnson rutschten um knapp fünf Prozent ab. Auslöser der Verluste war ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, dem zufolge das US-Justizministerium gegen den Pharmazie- und Konsumgüterproduzenten wegen verunreinigten Babypulvers ermittelt.

Aktien des Gentechnik-Spezialisten Illumina brachen um mehr als 15 Prozent ein. Das Unternehmen hatte die Prognose für das Umsatzwachstum in diesem Jahr mehr als halbiert./bek/he