FRANKFURT (dpa-AFX) – Der deutsche Aktienmarkt ist am Freitag auf einen Erholungskurs eingeschwenkt. Der Leitindex Dax machte einen Teil seiner jüngsten Verluste wett und stieg bis zum Mittag um 1,89 Prozent auf 10 532,56 Punkte.

Mit 10 160 Punkten war der Dax am Donnerstag noch auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen gerutscht. Auf Wochensicht steht bislang ein Minus von mehr als drei Prozent zu Buche.

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 1,42 Prozent auf 23 320,11 Punkte nach oben. Der EuroStoxx 50 , der Leitindex der Eurozone, zog um gut 1 Prozent an.

Die Wall Street hatte am Tag zuvor nach einem schwachen Start den Dreh ins Plus geschafft und der Leitindex Dow Jones Industrial konnte seine erst jüngst zurückeroberte 50-Tage-Linie so verteidigen. Diese gilt als ein Indikator für den mittelfristigen Trend. Wieder erstarkte Bankenwerte waren eine entscheidende Hilfe.

"Der feste US-Handelsschluss und der überwiegend freundliche asiatische Handel können dem Dax einen positiven Impuls geben", schrieb Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. "Fraglich ist jedoch, wie lange dieser anhalten wird." Schließlich erlebe die Realwirtschaft derzeit die schlimmste Phase seit dem zweiten Weltkrieg. Und mit dem Brexit und dem Handelsstreit zwischen China und den USA befänden sich auch wieder Konfliktthemen auf der Agenda.

Analyst Andreas Büchler vom Börsenmagazin Index Radar schrieb: "Auf Schnäppchenjäger bleibt Verlass. Schon kleinere Rückschläge des Dax werden am Markt wiederholt zu verstärkten Käufen genutzt, was ein positives Signal darstellt." Allerdings beunruhigten die zuletzt wieder gestiegenen Schwankungen am Aktienmarkt.

Im Dax wurde die Erholung von den Autowerten angeführt. Die Branche war im Zuge des jüngst wieder verstärkten Konjunkturpessimismus besonders unter Druck geraten. An der Index-Spitze kletterten die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) um rund fünf Prozent in die Höhe. Dabei ließen sich die Schnäppchenjäger nicht davon beirren, dass der Absatz der Wolfsburger wegen der Corona-Verkaufsbeschränkungen im April stark unter Druck gekommen war. Eine Überraschung war dies freilich nicht. BMW-Papiere liefen nach der Dividendenzahlung nur optisch hinterher.

Ansonsten spielte die Musik in der zweiten Reihe, wo positiv aufgenommene Geschäftszahlen die Papiere von Gea und Varta antrieben. Der Batteriehersteller Varta startete robust in das neue Geschäftsjahr. Den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bestätigte das Unternehmen. Ein Börsianer sprach von sehr guten Ergebnissen und großer Beruhigung, dass der Konzern weiter keine Beeinträchtigungen durch die Corona-Krise spürt. Die Papiere zogen um knapp acht Prozent an.

Der im Umbau steckende Maschinen- und Anlagenbauer Gea trotzte der Corona-Krise im ersten Quartal und legte beim Betriebsgewinn deutlich zu. Die positive Entwicklung führte das Unternehmen vor allem auf die im Januar erneuerte Konzernorganisation sowie auf operative Verbesserungen durch die im letzten Jahr eingeleiteten Sparmaßnahmen zurück. Analystin Daniela Costa von der US-Investmentbank Goldman Sachs schrieb, Gea habe ergebnisseitig ein starkes erstes Quartal hinter sich. Auch der Auftragseingang habe im Quartalsvergleich kräftig zugelegt. Den Anteilsscheine von Gea schnellten mit einem Plus von gut elf Prozent an die MDax-Spitze./la/mis

— Von Lutz Alexander, dpa-AFX —