FRANKFURT (dpa-AFX) – Konjunktursorgen wegen der Corona-Krise haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Der Leitindex Dax knüpfte an seine jüngsten Verluste an und rutschte bis zum frühen Nachmittag um 3,08 Prozent auf 10 218,02 Punkte ab. Damit notiert das Börsenbarometer inzwischen auf dem Niveau von Anfang April.

Für den MDax ging es am Donnerstag um 2,80 Prozent auf 22 887,47 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 , der Leitindex der Eurozone, brach um mehr als 3 Prozent ein.

Für Mollstimmung am US-Aktienmarkt hatte bereits zuvor Notenbankchef Jerome Powell gesorgt. Seiner Ansicht nach könnten weitere Konjunkturhilfen als Reaktion auf die Corona-Krise nötig sein, um die Wirtschaft des Landes zu stützen. Zudem machten sich wieder Befürchtungen um eine erneutes Hochkochen des US-chinesischen Handelsstreits breit.

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader schrieb: "Es geht weiter abwärts am deutschen Aktienmarkt. Die Anleger verlieren so langsam den Mut, womit auch das Risiko einer erneut stärkeren Korrektur an den Börsen steigt."

Die Konjunktursorgen hinterließen an diesem Donnerstag insbesondere im Autosektor ihre Spuren hinterlassen. Im Dax versammelten sich die Papiere der Autobauer BMW , Volkswagen und Daimler mit Abschlägen zwischen knapp fünf und fast sieben Prozent unter den größten Verlierern. Als besonders konjunkturabhängige Aktien gelten sie bei Anlegern in unruhigen Börsenzeiten als stark anfällig.

Sonst lief an diesem Donnerstag die Berichtssaison der Unternehmen noch einmal zu Hochtouren auf. Allein aus dem Dax öffneten vier Konzerne ihre Bücher. Mit Blick auf die Kursentwicklung erwiesen sich dabei die Aktien von Wirecard einmal mehr als sehr schwankungsfreudig. Zuletzt notierten die Papiere des in der Kritik stehenden Zahlungsdienstleisters fast drei Prozent im Minus. Wirecard erzielte zwar etwas weniger Wachstum als in den Vorquartalen. Analyst Knut Woller von der Baader Bank betonte jedoch, dass das Unternehmen trotz des Gegenwindes durch die Covid-19-Krise einen soliden Start ins neue Jahr hinter sich habe.

Die Deutsche Telekom verdiente zum Jahresauftakt trotz Covid-19 wieder mehr, für die T-Aktien stand ein Plus von gut 1 Prozent zu Buche. Auch RWE startete gut in das neue Geschäftsjahr. Die Anteilsscheine des Energiekonzerns gaben um mehr als ein Prozent nach und schlugen sich damit besser als der Gesamtmarkt. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA trotze der Corona-Krise zum Jahresauftakt, wird aber wegen der Pandemie vorsichtiger. Die Papiere fielen um knapp 1 Prozent.

Der Online-Arzneimittelhändler Shop Apotheke legte durch die Corona-Krise einen starken Jahresauftakt hin. Damit zogen die Aktien an der Spitze des Nebenwertindex SDax um fast 8 Prozent an. Der Elektronikhändler Ceconomy aber verbuchte wegen der Corona-Pandemie im zweiten Geschäftsquartal einen Verlust. Dabei belastete die Schließung seiner Märkte Media Markt und Saturn. Die Papiere sackten am Index-Ende um knapp 15 Prozent ab.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,52 Prozent am Vortag auf minus 0,53 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,07 Prozent auf 145,43 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,15 Prozent auf 173,79 Punkte zu. Der Kurs des Euro stand am frühen Nachmittag bei 1,0776 US-Dollar. Der Dollar kostete damit 0,9280 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,0875 (Dienstag: 1,0858) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9195 (0,9210) Euro gekostet./la/fba

— Von Lutz Alexander, dpa-AFX —