FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag wieder Verluste eingebrockt. Der Leitindex Dax fiel bis zum Mittag um 0,82 Prozent auf 12 080,64 Punkte, nachdem er sich am Mittwoch noch von seiner freundlichen Seite gezeigt hatte.

Der MDax der mittelgroßen Werte gab am Donnerstag um 0,71 Prozent auf 25 462,84 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte mehr als 1 Prozent ein.

Unmittelbar vor neuen Gesprächen mit China warf Donald Trump der Regierung in Peking Wortbruch vor. Aus Verärgerung bekräftigte der US-Präsident, die bereits geltenden Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von Freitag an zu erhöhen. Als Vergeltung kündigte China “notwendige Gegenmaßnahmen” an.

Die chinesische Verhandlungsdelegation unter Leitung von Vizepremier Liu He wird am Donnerstag für zweitägige Gespräche in der US-Hauptstadt erwartet. Die Aussichten, kurzfristig noch zu einer Einigung zu kommen, gelten allerdings als schlecht. Beide Seiten sind nach Einschätzung von Experten weit voneinander entfernt.

“Ein erfolgreiches Handelsabkommen scheint nun nahezu vom Tisch zu sein”, schrieben die Devisenexperten der Commerzbank. “Das kann heißen, dass die Gespräche vollkommen scheitern und endgültig abgebrochen werden, oder aber sie vorerst nur auf Eis gelegt werden.” Die neuen Zölle würden die zukünftigen Verhandlungen sicherlich erschweren, die Aussicht auf Erfolg bliebe fraglich.

Die technischen Analysten von Index-Radar bleiben mit Blick auf die aktuelle Dax-Korrektur gelassen: “Das Risiko bleibt im Verhältnis zu den langfristig möglichen Gewinnchancen auch weiterhin überschaubar.”

Hierzulande blicken die Anleger zudem einmal mehr auf die frischen Geschäftszahlen der Unternehmen. So verhalfen bessere Wetterbedingungen dem Baustoffkonzern HeidelbergCement im Auftaktquartal zu mehr Gewinn und Umsatz als von Experten erwartet. Insofern kletterten die Aktien mit einem Plus von 2,7 Prozent an die Dax-Spitze.

Die T-Aktien bewegten sich kaum vom Fleck, schlugen sich damit aber besser als der Gesamtmarkt. Die Deutsche Telekom verdiente zu Jahresbeginn vor allem dank des boomenden US-Geschäfts operativ mehr.

Continental erlitt im ersten Quartal wegen der Schwäche der internationalen Märkte einen herben Gewinneinbruch. Die Anteilsscheine des Autozulieferer und Reifenherstellers verloren zuletzt 3,5 Prozent.

Am MDax-Ende büßten die Papiere von Metro rund 5 Prozent ein. Abschreibungen auf die Supermarkttochter Real drückten den Handelskonzern im zweiten Geschäftsquartal tief ins Minus.

Unter den Schlusslichtern im Nebenwerte-Index SDax sackten die Aktien von Jenoptik um mehr als 5 Prozent ab. Nach dem sehr starken Vorquartal habe die Profitabilität des Technologie- und Rüstungskonzerns nun enttäuscht, schrieb Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank.

Zudem läuft die Hauptversammlungs-Saison auf Hochtouren, so dass an diesem Donnerstag viele Aktien mit Dividendenabschlag gehandelt werden. Dazu zählen unter anderem die Deutsche Börse und der Versicherer Allianz ./la/zb

— Von Lutz Alexander, dpa-AFX —