FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach der jüngsten Erholung hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag die Kraft verlassen. Belastung kam von schwachen asiatischen Börsen und der anhaltenden Unsicherheit über den US-Handelsstreit mit China. Laut Helaba-Analyst Christian Schmidt zeichnet sich noch keine Lösung in dem Zollstreit ab. "Insofern überrascht es nicht, dass sich die Marktteilnehmer hierzulande, trotz der festen Wall Street, nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen wollen, zumal weitere Unsicherheitsfaktoren, beispielsweise mit Blick auf die Türkei, vorhanden sind", so Schmidt.

Der Dax durchbrach die von vielen Marktteilnehmern als Unterstützungslinie angesehene Marke von 12 500 Punkten, beschleunigte seine Talfahrt in der Folgezeit und rutschte bis an seinen Schlusskurs vom vergangenen Freitag knapp unter 12 400 Punkten heran. Zuletzt notierte der Leitindex 0,96 Prozent tiefer bei 12 441,05 Zählern.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen fiel um 0,66 Prozent auf 27 105,29 Punkte. Der TecDax verlor 0,98 Prozent auf 3009,59 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um rund 0,7 Prozent nach.

Frische Konjunkturdaten hatten nur einen untergeordneten Einfluss auf die Kurse. So ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im August zwar gestiegen, aber auf den niedrigsten Wert für diesen Monat seit dem Jahr 1991. Im Euroraum hat sich die Wirtschaftsstimmung im August deutlicher als von Experten erwartet eingetrübt. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) sank auf das tiefste Niveau seit August 2017. Das ebenfalls von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklima (BCI) schwächte sich ebenfalls ab.

Unter den Einzelwerten fielen die Aktien von Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Minus von 2,3 Prozent negativ auf. Ein Analyst verwies auf steigende Risiken bei der Rückerstattungspraxis für Dialyse-Dienstleistungen in Kalifornien. Ein Händler sprach zudem von Gewinnmitnahmen nach den klaren Kurssteigerungen der vergangenen beiden Handelstage.

Befürchtungen über ein trägeres Geschäft ließen die Aktien des Spezialchemiekonzerns Covestro als Dax-Schlusslicht um 2,5 Prozent absacken – nach Verlusten von 3 Prozent beziehungsweise 2 Prozent an den beiden Vortagen. Auf einer Branchenkonferenz habe der Kunststoffspezialist einen leichten Sommer-Abschwung im Europa-Geschäft vor dem saisonal stärksten Monat September signalisiert, erklärte Analyst Michael Schäfer von der Commerzbank.

Die Fielmann-Aktien büßten nach der Bekanntgabe endgültiger Halbjahreszahlen mehr als 4 Prozent an Wert ein. Experten sahen in dem Zahlenwerk der Optikerkette zwar kaum Neuigkeiten, verwiesen aber auf die wetterbedingt eingetrübten Branchenaussichten für das dritte Quartal. Die wochenlange Hitze in Europa habe viele Kunden von den Filialen der Brillenverkäufer ferngehalten, sagte Analyst Simon Heilmann von der Investmentbank Equinet.

Der mögliche Rücktritt von Unternehmenschef Gregory Ellis drückte die Aktien des Internetportalbetreibers Scout24 am MDax-Ende um 4,7 Prozent nach unten. Ellis will aus persönlichen Gründen aus dem Amt ausscheiden. Die Unsicherheit infolge eines solchen Schrittes komme bei Investoren nie gut an, sagte ein Händler. Allerdings müssten zunächst Details zum möglichen Wechsel an der Konzernspitze abgewartet werden./edh/jha/

— Von Eduard Holetic, dpa-AFX —