FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax ist am Dienstag erstmals seit Anfang Oktober über die Marke von 12 100 Punkten gesprungen. "Das Umfeld ist günstig", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Die Risikobereitschaft habe mit der Fristverlängerung beim Brexit wieder zugenommen. Zudem stützten positive Signale aus den Handelsgesprächen zwischen den USA und China. Die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) indes hielten Positives und Negatives bereit.

Am Nachmittag stieg der deutsche Leitindex um 0,72 Prozent auf 12 107,06 Punkte. Der MDax legte um 0,44 Prozent auf 25 696,47 Punkte zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx gewann zugleich 0,30 Prozent.

Laut dem ZEW hellte sich im April die Stimmung von Finanzexperten hierzulande zum sechsten Mal in Folge und auch deutlich stärker als erwartet auf. Doch auch wenn der höchste Indexstand seit März 2018 erreicht wurde, verschlechterte sich zugleich die Beurteilung der aktuellen Lage. VP-Bank-Volkswirt Thomas Gitzel aus Liechtenstein sprach denn auch nur von einem "Hoffnungsschimmer im Tal der Tränen". Ob die ZEW-Aufwärtsbewegung gerechtfertigt sei, müssten harte Fakten noch beweisen. "Erst wenn etwa die zuletzt sehr schwachen Auftragseingänge für das verarbeitende Gewerbe in den kommenden Monaten wieder zulegen, könnte aus konjunktureller Sicht ein goldener Herbst bevorstehen."

Unternehmensseitig standen Geschäftsberichte deutscher Unternehmen im Blick. Am Vorabend hatten die Lufthansa und Zalando über ihre ersten drei Monate des neuen Jahres informiert. Belastet von hohen Treibstoffkosten und Überkapazitäten hatte die Lufthansa zwar einen bereinigten operativen Verlust erwirtschaftet, die Jahresziele aber bekräftigt. Vor allem Letzteres hoben Analysten positiv hervor und beruhigten damit die Anleger. Die Aktie der Fluggesellschaft drehte ins Plus und rückte um 0,9 Prozent vor.

Der Online-Modehändler Zalando begeisterte indes die Investoren mit seinen Prognosen für das erste Quartal. Das Papier sprang um knapp 10 Prozent hoch. Statt eines am Markt erwarteten operativen Verlustes rechnet der MDax-Konzern mit einem bereinigten positiven operativen Ergebnis im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Noch im September hatte das Management zum wiederholten Mal für 2018 eine Umsatz- und Gewinnwarnung ausgegeben.

Darüber hinaus bewegten Umstufungen. So empfiehlt die Baader Bank die Gea-Aktie nun zum Verkauf. Die Kritik: Die Restrukturierung des Anlagenbauers nehme kein Ende. Mit minus 1,9 Prozent zählte der Titel zu den Schlusslichtern im Index der mittelgroßen Werte.

Im SDax für die kleineren Werte unterhalb des MDax legten die Anteile von Rational um knapp 3 Prozent zu. Die Privatbank Berenberg ist positiv gestimmt für das Papier des Herstellers von Großküchengeräten. Es sei nun wieder attraktiv bewertet, lautete die Begründung für die frisch ausgesprochene Kaufempfehlung.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,01 Prozent. Der Rentenindex Rex stand unverändert bei 142,52 Punkte. Der Bund-Future verlor zuletzt 0,03 Prozent auf 164,62 Punkte.

Der Euro wurde zu 1,1307 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1313 Dollar festgesetzt./ck/mis

— Von Claudia Müller, dpa-AFX —