FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax dürfte nach der Vortagesstabilisierung am Donnerstag zunächst wieder etwas nachgeben: Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte knapp eine Stunde vor Handelsbeginn ein Minus von 0,38 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird ebenfalls etwas tiefer erwartet.

Am Mittwoch hatte sich der Dax noch wieder zurück über seine 21-Tage-Linie gekämpft. Diese gilt als Indikator für den kurzfristigen Trend.

Nun jedoch überwiegt wieder die Skepsis. So ging es bereits an Asiens Börsen angesichts harter Rhetorik im Handelsstreit zwischen den USA und China am Morgen bergab. Unmittelbar vor neuen Gesprächen mit China warf US-Präsident Donald Trump der Regierung in Peking Wortbruch vor. Aus Verärgerung bekräftigte Trump, die bereits geltenden Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von Freitag an zu erhöhen. Als Vergeltung kündigte China "notwendige Gegenmaßnahmen" an.

Die chinesische Verhandlungsdelegation unter Leitung von Vizepremier Liu He wird am Donnerstag für zweitägige Gespräche in der US-Hauptstadt erwartet. Die Aussichten, kurzfristig noch zu einer Einigung zu kommen, waren allerdings schlecht. Beide Seiten sind nach Einschätzung von Experten weit voneinander entfernt.

"Ein erfolgreiches Handelsabkommen scheint nun nahezu vom Tisch zu sein", schrieben die Devisenexperten der Commerzbank. "Das kann heißen, dass die Gespräche vollkommen scheitern und endgültig abgebrochen werden, oder aber sie vorerst nur auf Eis gelegt werden." Die neuen Zölle würden die zukünftigen Verhandlungen sicherlich erschweren und die Aussicht auf Erfolg bliebe fraglich.

Hierzulande blicken die Anleger zudem einmal mehr auf die frischen Geschäftszahlen der Unternehmen. So verhalfen bessere Wetterbedingungen als im Vorjahr dem Baustoffkonzern HeidelbergCement im Auftaktquartal zu deutlich mehr Gewinn und Umsatz. Auf der Handelsplattform Tradegate notierten die Aktien rund 5 Prozent über dem Xetra-Schluss vom Mittwoch.

Die Deutsche Telekom machte zu Jahresbeginn vor allem dank des boomenden US-Geschäfts deutlich mehr Geschäft und verdiente operativ mehr. Dabei halfen vorwiegend der schwache Euro und die Zukäufe in Österreich und den Niederlanden. Auf Tradegate hielten sich die T-Aktien stabil.

Unter den im MDax der mittelgroßen Werte gelisteten Unternehmen stiegen die Papiere von Rheinmetall auf Tradegate um rund 1 Prozent. Der Konzern konnte das schwächelnde Geschäft mit der Autoindustrie mit starken Zuwächsen in der Rüstungssparte mehr als ausgleichen. Abschreibungen auf die Supermarkttochter Real drückten den Handelskonzern Metro im zweiten Geschäftsquartal tief ins Minus. Für die Papiere ging es auf Tradegate leicht nach unten.

Darüber hinaus reagierten auf Tradegate die Aktien des Technologie- und Rüstungskonzerns Jenoptik und des 3D-Druckerherstellers SLM Solutions negativ auf die jüngsten Geschäftszahlen.

Zudem läuft aktuell auch die Hauptversammlungs-Saison auf Hochtouren, so dass an diesem Donnerstag viele Aktien mit Dividendenabschlag gehandelt werden. Dazu zählen unter anderem die Deutsche Börse und der Versicherer Allianz ./la/mis