FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach den jüngst heftigen Kursabschlägen hat sich am deutschen Aktienmarkt Erleichterung breit gemacht. Der Dax stieg am Freitag um 0,61 Prozent auf 12 623,05 Punkte. Damit machte er zumindest einen kleinen Teil seiner Wochenverluste wieder gut. Für eine Entwarnung ist es den Chartexperten der britischen Bank HSBC zufolge aber noch zu früh.

Auf Wochensicht steuert der deutsche Leitindex auf ein klares Minus von knapp 2 Prozent zu, nachdem er davor vier Wochen in Folge zugelegt hatte. Vor allem am Donnerstag war das Börsenbarometer wegen der drohenden Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit unter die Räder gekommen.

Doch am Freitag ließ auch der Druck an den zuletzt gebeutelten chinesischen Handelsplätzen sichtbar nach. Außerdem hatte Apple am Vorabend für gute Stimmung an der US-Technologiebörse Nasdaq gesorgt, die zuletzt ebenfalls unter Negativ-Schlagzeilen gelitten hatte: Der Börsenwert des iPhone-Herstellers erreichte erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar. Das kam auch bei vielen anderen Technologiewerten gut an.

Die deutschen Nebenwerte-Indizes präsentierten sich vor dem Wochenende ebenfalls freundlich: Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,77 Prozent auf 26 938,90 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann dank des Rückenwinds von der Nasdaq sogar 1,80 Prozent auf 2936,97 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,46 Prozent auf 3485,03 Punkte zu.

Hierzulande ebbte die jüngste Flut von Unternehmenszahlen deutlich ab: Neben dem Dax-Konzern Allianz berichtete lediglich der IT-Dienstleister S&T aus dem TecDax über die jüngste Geschäftsentwicklung. Ansonsten dürften noch der am Nachmittag anstehende US-Arbeitsmarktbericht einen Blick wert sein.

Die Allianz-Titel legten mit einem Plus von 0,96 Prozent etwas überdurchschnittlich zu. Ein Händler sprach von einem gemischten zweiten Quartal des Versicherers, das sowohl Optimisten, als auch Pessimisten Argumente für ihre Einschätzung liefere.

Die Aktien von S&T erreichten mit einem Kurssprung von über 8 Prozent an der TecDax-Spitze einen Rekordstand. Sie profitierten von einer überraschend kräftigen Gewinnsteigerung im abgelaufenen Quartal.

Ansonsten sorgten Analystenkommentare für Kursausschläge bei Einzelwerten. Beim Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall konnten sich die Anleger über ein Kursplus von 2,56 Prozent und einen der vorderen Plätze im MDax freuen. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux stufte die Aktie hoch und rät nun zum Kauf.

Im SDax der geringer kapitalisierten deutschen Unternehmen eroberte Index-Neuling HelloFresh mit plus 5,67 Prozent die Spitzenposition. Der Kochboxenanbieter werde in dem schnell wachsenden Markt weiterhin eine führende Rolle einnehmen, begründete Analyst Marcus Diebel seine neue Empfehlung, die Aktie überzugewichten.

Dagegen zählten Morphosys-Titel mit einem Kursrückgang von 1,29 Prozent zu den größten Verlierern im TecDax. Die Investmentbank Oddo BHF strich ihre bisherige Kaufempfehlung für den Biotech-Konzern./gl/das

— Von Gerold Löhle, dpa-AFX —