PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Europas Aktienmärkte haben am Mittwoch an ihre Erholungstendenz vom Vortag angeschlossen. Unterstützung kam vor allem von der Wall Street. In den USA hatten sich die Börsen am Dienstag mit Elan zu neuen Rekordhöhen aufgeschwungen und von Fortschritten bei der geplanten Steuerreform profitiert. Zudem verbesserte sich im November die bereits sehr gute Wirtschaftsstimmung im Euroraum weiter und das von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklima (BCI), das nur die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe misst, erreichte den höchsten Stand seit Juni 2007.

Der EuroStoxx 50 legte gegen Mittag um 0,72 Prozent auf 3609,35 Punkte zu. Tags zuvor hatte der wieder unter 1,19 US-Dollar gesunkene Euro Auftrieb gegeben und dem Leitindex der Eurozone ein Plus von 0,6 Prozent beschert. In Frankreich gewann der CAC-40 -Index zuletzt 0,55 Prozent auf 5420,06 Punkte. Die Gemeinschaftswährung zeigte sich an diesem Tag zugleich kaum verändert bei 1,1845 Dollar. Seitdem es Anfang des Monats überwiegend abwärts gegangen war für die Börsen Europas, hat seit Mitte November eine Stabilisierung eingesetzt. Mit einer Erholung hingegen tun sich die Indizes schwer.

In Großbritannien ging es an diesem Tag für den FTSE 100 allerdings um 0,54 Prozent abwärts auf 7420,39 Zähler. Hier belastete einerseits das zum US-Dollar und zum Euro wieder deutlich steigende Pfund, denn eine starke heimische Währung kann Exporte britischer Unternehmen belasten. Zudem haben sich Medienberichten zufolge London und Brüssel im Streit um die Brexit-Schlussrechnung angenähert. Eine genaue Summe sei noch nicht festgelegt worden, werde aber je nach Auslegung zwischen 45 und 55 Milliarden Euro liegen, hieß es. Marktexperte David Madden von CMC Markets verwies zudem auf sinkende Kupferpreise, die die im "Footsie" schwer gewichteten Minenwerte unter Druck brächten sowie auf Gewinnmitnahmen in den Shell -Aktien.

Branchenweit gab es nur wenige Verlierer: Der tags zuvor feste Öl-, Gas- und Windsektor zeigte sich europaweit nun wieder am schwächsten mit minus 0,08 Prozent. Die Einzelhandelsbranche für nicht-zyklische Konsumgüter wie Lebensmittel oder Haushaltsprodukte zeigte sich am stärksten mit plus 1,58 Prozent.

Unter den Einzelwerten gewannen im EuroStoxx die Aktien der zweitgrößten spanischen Bank BBVA 2,30 Prozent. Sie verkauft Immobilien im Wert von rund 4 Milliarden Euro an den US-Investor Cerberus. Grund dafür sind strengere Kapitalauflagen und die Fokussierung auf das Kreditgeschäft, nachdem es 2007 einen Crash am spanische Immobilienmarkt gegeben hatte.

Die Ankündigung einer engeren Partnerschaft zwischen Air France-KLM und der indischen Jet Airways gab den Papieren der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Auftrieb. Deren Aktien stiegen um 1,52 Prozent.

Für die Anteile von Philips Lighting ging es um 2,90 Prozent abwärts, während sich die von Philips mit plus 0,05 Prozent kaum verändert zeigten. Der Elektro- und Gesundheitstechnikkonzern verkaufte ein zwölfprozentiges Paket an Philips-Lighting-Aktien und ist so der geplanten kompletten Trennung von seinem Lichtgeschäft einen großen Schritt näher gekommen.

In London standen an diesem Tag zudem die Papiere der LSE im Blick und büßten 2,11 Prozent ein. Der Chef der Londoner Börse (LSE) , Xavier Rolet, tritt mit sofortiger Wirkung zurück und damit früher als geplant. Ursprünglich sollte Rolet das Unternehmen bis Ende 2018 führen, obwohl der Franzose selbst eigentlich nach dem zuletzt endgültig geplatzten Fusionsvorhaben mit der Deutschen Börse aufhören wollte. Finanzchef David Warren wird nun vorerst Interimschef./ck/oca