PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Die weiter laufenden Verhandlungen im Zollstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China haben die Anleger an den europäischen Börsen wieder zuversichtlich gestimmt. Der EuroStoxx gewann am späteren Vormittag 0,99 Prozent auf 3383,86 Punkte, womit der Leitindex der Eurozone auf einen Wochenverlust von 3,4 Prozent zusteuert.

Für den Cac 40 in Paris ging es zuletzt um 1,03 Prozent nach oben auf 5367,79 Punkte. In London rückte der FTSE 100 um 0,75 Prozent auf 7261,54 Punkte vor.

Dass die Anleger trotz der Unsicherheiten im Handelskonflikt Aktien kauften, sei beachtlich. Dies mache deutlich, dass weiter auf eine Einigung gehofft wird, da die Verhandlungen weiterliefen, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

So zeigten sich nach dem tiefroten Donnerstag denn auch alle 19 Branchen Europas wieder im Plus. Den geringsten Gewinn verbuchte die Immobilienbranche mit plus 0,2 Prozent, die größten die Finanzbranche, die Industriegüter- und Baustoffbranche sowie die Rohstoffbranche mit Gewinnen zwischen 1 bis 1,2 Prozent.

Unter den Einzelwerten waren die Aktien des Brillenkonzerns EssilorLuxoticca Favorit im Leitindex der Eurozone mit plus 2,9 Prozent. Der handfeste Streit zwischen den beiden Bossen des erst im Herbst vergangenen Jahres fusionierten Unternehmens soll offenbar zeitnah beigelegt werden. Co-Chef Hubert Sagnières und Luxottica-Gründer Leonardo Del Vecchio wollen laut einem Bericht der "Financial Times" ihren seit Monaten schwelenden Zwist vor der in der kommenden Woche anstehenden Hauptversammlung beilegen.

Die Papiere von LafargeHolcim waren Spitzenwert im Schweizer Leitindex SMI mit plus 3,3 Prozent und profitierten vom Verkauf des Geschäfts auf den Philippinen. Die daraus erzielten Erlöse sollen helfen, die Schulden weiter abzubauen, hatte der Zementkonzern am Vorabend mitgeteilt. Analysten lobten den sehr attraktiven Verkaufspreis, den LafargeHolcim ausgehandelt hat. Novartis gewannen 1,7 Prozent. Während des Neurologen-Fachkongress AAN hatte der Schweizer Pharmakonzern neue Daten zu seinem Multiple-Sklerose-Mittel Gilenya vorgelegt.

In London gewannen die Aktien der Fluggesellschaft IAG 4 Prozent nach vorgelegten Quartalszahlen. Analysten lobten die im Vergleich zu den Wettbewerbern positiveren Resultate. Das Analysehaus Bernstein etwa sprach von "ermutigenden Geschäftstrends" der British-Airways-Mutter trotz des herrschenden Marktdrucks.

Für die Papiere des Flughafenbetreibers ADP indes ging es um fast 10 Prozent abwärts. Goldman Sachs sprach eine Verkaufsempfehlung für die Aktien aus. Dabei verwies Analyst Patrick Creuset auf Abwärtsrisiken, nachdem der französische Verfassungsrat tags zuvor eine Volksabstimmung über die geplante Privatisierung der Pariser Flughafengesellschaft gebilligt hatte./ck/fba