PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Europas Börsen haben am Mittwoch weiter nachgegeben. Der neu aufgeflammte Handelskonflikt zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften hält die Anleger nach wie vor in Atem und sorgt für hohe Unsicherheit. Am Vorabend kam seitens der US-Börsen Verkaufsdruck auf, der sich zunächst in Asien und nun auch in Europa fortsetzt.

Der EuroStoxx büßte nach einem überwiegend freundlichen Verlauf am Vormittag gegen Mittag 0,33 Prozent auf 3389,99 Punkte ein. Auslöser war, dass an der Wall Street zum Handelsstart nun doch Verluste erwartet werden. Zuvor deutete alles auf einen freundlichen Start hin. In den zwei vergangenen Handelstagen verlor der Leitindex der Eurozone bereits etwas mehr als 3 Prozent, so dass die charttechnisch orientierten Experten der UBS inzwischen von einer unterbrochenen Rally und angelaufenen "Korrektur" sprechen.

Für den Cac 40 in Paris ging es zuletzt um 0,24 Prozent abwärts auf 5382,74 Punkte. In London verlor der FTSE 100 0,32 Prozent auf 7237,46 Punkte.

Branchenweit zeigten sich der Reise- und Freizeitsektor und der der Versorger gleicherweise schwach mit minus 0,8 Prozent. Unter den Einzelwerten im Energieversorgerbereich stachen die Papiere der spanischen Endesa mit 1,9 Prozent hervor. Nach den tags zuvor berichteten Quartalszahlen folgten nun Abstufungen. So strichen sowohl die Investmentbank Mainfirst als auch das Analysehaus Kepler Cheuvreux ihre Kaufempfehlungen.

Favorit in Europa war indes die Industriegüter- und Dienstleistungssparte mit plus 0,6 Prozent, die vor allem von den Quartalszahlen und geplanten strategischen Veränderungen bei Siemens profitierte. Der Technologiekonzern steht vor seiner größten Transformation seit Jahren: Mit der Entscheidung, sich von seinem Energiegeschäft zu trennen und dieses an die Börse zu bringen, kappt Konzernchef Joe Kaeser einen Teil der Wurzeln. Mit plus 4,1 Prozent waren die Siemens-Papiere Spitzenwert im EuroStoxx.

In Spanien standen die Anteile von Ferrovial nach Quartalszahlen im Fokus und büßten nach einem Ende April erreichten Zwischenhoch 3,7 Prozent ein. Das Bauunternehmen hatte für das abgelaufene erste Jahresviertel einen Verlust von fast 100 Millionen Euro gemeldet.

In London belasteten Enttäuschungen bei ITV und Imperial Brands nach vorgelegten Geschäftsberichten die Stimmung. Der Fernsehkonzern ITV rechnet wegen des Brexit mit einem schwächelnden Werbegeschäft im ersten Halbjahr, was der Aktie einen Verlust von 5,1 Prozent einbrockte.

Der Tabakkonzern Imperial Brands überraschte zwar positiv mit seinem operativen Gewinn im ersten Geschäftshalbjahr, doch die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück. Zudem verlangsamte sich auch das Wachstum im US-Geschäft mit E-Zigaretten. Alles in allem könnten daher die Jahresziele womöglich nicht erreicht werden, so die Sorge am Markt. Auch diese Aktie büßte zuletzt 5,1 Prozent ein und sackte damit auf ein Fünfjahrestief /ck/fba