PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Europas Börsen haben am Dienstag nach einem kaum veränderten Start nachgegeben und damit einen Teil ihre jüngsten Gewinne wieder abgegeben. Im Fokus steht nach wie vor der Handelsstreit zwischen den USA und China, der noch in dieser Woche in eine neue Runde gehen wird. Dann wollen sich die beiden weltgrößten Volkswirtschaften wieder gemeinsam an den Tisch setzen. Geplant ist, dass die Gespräche am Donnerstag und Freitag fortgesetzt werden. Die Vergangenheit habe allerdings gelehrt, dass die Erwartungen an eine Lösung nicht zu hoch aufgehängt werden sollten, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba.

Auch der Brexit bleibt im Blick. Auf der Suche nach einer Lösung im Streit um den Austritt Großbritanniens aus der EU reist EU-Parlamentspräsident David Sassoli am Dienstag zuerst zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin und dann nach London zu Premierminister Boris Johnson. "Warnende Stimmen mit Blick auf einen harten Brexit reißen indes nicht ab", gab Schmidt zu bedenken.

Der EuroStoxx 50 gab gegen Mittag um 0,74 Prozent auf 3445,64 Punkte nach. Am Montag hatte es der Leitindex der Eurozone im Börsenverlauf noch ins Plus geschafft und sich den dritten Handelstag in Folge wieder etwas von seinen jüngsten Verlusten erholt. In Frankreich sank der Cac 40 am Dienstag um 0,70 Prozent auf 5483,18 Punkte. In Großbritannien indes hielt sich der FTSE 100 mit minus 0,05 Prozent bei 7194,34 Punkten stabil und profitierte von der Schwäche des Pfund. Britische Unternehmen können so ihre Waren im Ausland leichter absetzen.

Sämtliche Branchen Europas verbuchten zuletzt Verluste. Am deutlichsten ging es mit minus 1,4 Prozent für die Reisebranche und die Autobranche abwärts, dicht gefolgt vom Einzelhandelssektor , der um 1,3 Prozent nachgab.

Während der Flugzeughersteller Airbus von seinen Auslieferungszahlen im September profitierte und die Aktie um 0,8 Prozent stieg, gaben die Papiere der Fluggesellschaften Easyjet und Air France-KLM deutlich um 6,1 Prozent und 1,4 Prozent nach. Der Billigflieger Easyjet meldete Geschäftsjahreszahlen und enttäuschte laut Händlern vor allem mit seinem Ausblick. Die französisch-niederländische Fluggesellschaft hatte Verkehrszahlen für den Monat September veröffentlicht.

Die Anteilsscheine der Londoner Börse LSE sackten im FTSE 100 als Index-Schlusslicht um 4,8 Prozent ab, nachdem die Hongkonger Börse (HKEX) darüber informiert hatte, ihre Übernahmepläne aufzugeben.

Dagegen plant nun der spanische Windanlagenbauer Acciona Nordex komplett zu übernehmen, nachdem sein Anteil nach der Beteiligung an einer Kapitalerhöhung von Nordex auf mehr als 30 Prozent gestiegen war. Mit Überschreiten dieser Schwelle ist nach den Regularien ein Übernahmeangebot fällig. Die Acciona-Aktien büßten 4,3 Prozent ein.

Fortum legten in Helsinki um rund 1 Prozent zu. Der finnische Versorger hat seinen Anteil an Uniper deutlich auf mehr als 70,5 Prozent erhöht, schließt aber ein Herauskaufen der restlichen Aktionäre innerhalb der nächsten zwei Jahre aus.

In Kopenhagen gewannen zudem Bang & Olufsen 5,1 Prozent. Der Unterhaltungselektronikhersteller ersetzt nach den Vorstandschef Henrik Clausen durch den ehemaligen Blackberry-Manager Kristian Tear. Der Konzern hatte in weniger als einem Jahr drei Gewinnwarnungen bekannt gegeben, wodurch der Aktienkurs seine Talfahrt weiter beschleunigte./ck/jha/